Von Staatsschulden, Banken und dem Geld der Sparer


Folge1:  Staatsschulden in Europa

 

In der aktuellen politischen Diskussion ist die Staatsverschuldung in Europa nach wie vor ein eher unbedeutendes Thema. Obwohl Italien, eine richtig große Volkswirtschaft in Europa, in diesem Sommer  auf den Staatsbankrott zu zusteuern scheint. Im letzten Bundestagswahlkampf machten alle Parteien einen weiten Bogen um das Thema. Es war und ist der Gang der Katze um den heißen Brei. Denn keines der 2008 aufgetretenen Probleme scheint wirklich gelöst, bestenfalls vertagt. Der Mittelstandsclub Saarland will nun in einer Folge von Artikeln die verschiedenen Aspekte des Themas behandeln und  einen Überblick über die möglichen Konsequenzen aufzeigen.

 

Die Staaten in Europa sind unterschiedlich hoch verschuldet und eine wichtige Maßgröße für diese Verschuldung ist die Relation der Schulden zum jeweiligen Bruttoinlandsprodukt (BIP).Es ist die vielgenannte „Schuldenquote“, die für einzelne Staaten in etwa wie folgt aussieht:

 

 

Griechenland       180 %

Italien                    133 %

Portugal                130 %

Spanien                 99 %

Frankreich            96 %

Deutschland         68 %

Schweden               41 %

Dänemark.             38 %

 

Europa der „19“     90 %

Europa der „28“     84 %

 

 

 

Eine Verschuldung sollte  immer im Zusammenhang mit der Leistungsfähigkeit des Schuldners gesehen werden. Dies gilt auch für Staaten, was mit einem einfachen Beispiel verdeutlicht werden soll:

Ein Staat hat ein BIP von 100 Euro und eine Verschuldung von 60 Euro zu 5% Zinsen pro Jahr. Mit seinem BIP erzielt dieser Staat ein Wachstum von 3 % pro Jahr. Mit diesem Wachstum kann er  zumindest  die Zinsen für seine Schulden bezahlen. (5 % auf 60 Euro  ergeben 3 Euro). Sind die Schulden aber einmal so hoch wie das BIP oder sogar noch höher, so kann der Schuldendienst nicht mehr erbracht werden, weil die dazu notwendigen Wachstumsraten unrealistisch sind. Die Staaten sind überschuldet.

 

Aus unserer Tabelle wären dies Griechenland, Italien und Portugal. Spanien und Frankreich sind Grenzfälle. Deutschland, Schweden und Dänemark können ihre Schulden bedienen.

Das „Europa der 19“ sowie das „Europa der 28“ sind insgesamt aber in einer nicht unkritischen Situation. Die überschuldeten Staaten  können ihre Schulden nicht mehr -aus eigener Kraft- zurückzahlen und irgendwann auch die Zinsen nicht mehr erwirtschaften.

 

Schulden, die nicht mehr zurückgezahlt werden können, werden auch nicht zurückbezahlt werden. Es ist dann nur die Frage, wie diese Schulden nicht zurückgezahlt werden. Dazu gibt es nämlich erstaunlich viele Möglichkeiten. Alle haben Auswirkungen auf die Gläubiger.  Und Gläubiger sind letzten Endes die Steuerzahler und Sparer.

Hoch brisant ist in diesem Zusammenhang die aktuelle Situation in der Türkei. Die Türkei gehört nicht zur Eurozone hat sich aber in Euro und in Dollar verschuldet. Die Lira hat nahezu die Hälfte ihres Wertes gegenüber diesen Währungen verloren bzw. die Schulden und Zinsen haben sich dadurch verdoppelt. Man kann auf die weitere Entwicklung gespannt sein.

 

(Der Bericht wird fortgesetzt.  Thema der nächsten Folge: Die Zahlungsfähigkeit von Staaten)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.